Über diese Edition

Wolfgang Koeppen: Jugend. Textgenetische Edition. Herausgegeben von Katharina Krüger, Elisabetta Mengaldo und Eckhard Schumacher. Berlin: Suhrkamp 2016 (URL: http://koeppen-jugend.de)

Ausgangslage

Anstelle eines häufig angekündigten Romans erschien 1976, nach mehr als 15 Jahren Wartezeit auf ein erstes Buch im Suhrkamp Verlag, Wolfgang Koeppens Jugend. Zu Jugend liegt im Nachlass, der sich im Wolfgang-Koeppen-Archiv (WKA) der Universität Greifswald befindet, ein über 1500 Seiten umfassendes Typoskript-Konvolut vor, dessen Anordnung vermutlich nicht auf den Autor, sondern auf den ersten Nachlassverwalter zurückgeht. Bei den Typoskripten, die von Koeppen selbst angefertigt bzw. einer Schreibkraft diktiert und die zudem häufig handschriftlich korrigiert wurden, wie auch bei den wenigen handschriftlichen Aufzeichnungen handelt es sich zumeist um vorbereitende Skizzen, Vorstufen und Varianten zu Passagen des späteren Buchtextes sowie um über Jugend hinausgehende literarische Entwürfe („Fragmente“) und poetologische Überlegungen bzw. schematische Übersichten („Notizen“).

Das Konvolut liegt hier nun erstmals ediert vor und wird in der textgenetischen Edition ergänzt durch die Publikationen, in denen Teile von Jugend vor Erscheinen des Buches veröffentlicht worden sind, sowie durch Rundfunkmanuskripte. Neben den Materialien aus dem WKA wird hier erstmals die Satzvorlage für Jugend aus dem Siegfried Unseld Archiv (SUA) im Deutschen Literaturarchiv Marbach sowie ein Rundfunkmanuskript aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks (BR) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die textgenetische Edition konnte im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Wolfgang Koeppens Jugend. Nachlasserschließung, textgenetische Untersuchung, Digitalisierung und Edition“ an der Universität Greifswald realisiert werden (Projektleitung: Prof. Dr. Eckhard Schumacher; MitarbeiterInnen: Patrick Heck, Katharina Krüger, Dr. Elisabetta Mengaldo).

Aufbau der Edition

Die 53 Abschnitte, die Koeppens Jugend unterteilen und die im gedruckten Text durch Leerzeilen voneinander separiert werden, bezeichnen wir als Sequenzen. Die Sequenzstruktur bildet zugleich das Ordnungsprinzip der textgenetischen Edition. Dafür wurden die Sequenzen mit einer numerischen Zählung versehen (1-53). Die Textträger aus dem Typoskript-Konvolut wurden, wenn möglich, den Sequenzen zugeordnet; wenn eine textgenetische Zuordnung nicht möglich war, sind sie in den gesonderten Kategorien „Fragment“, „Notiz“, „Motto“ und „Titelblatt“ erfasst (vgl. dazu die Hinweise zum Zugang „Texte“).

Drei verschiedene Zugänge ermöglichen den Einstieg in die textgenetische Edition. Der Zugang „Lesetext“ geht vom veröffentlichten Buchtext aus, über den Zugang „Texte“ kann der User alle Textträger des Jugend-Konvoluts aufrufen und durchsuchen, der Zugang „Textgenese“ ermöglicht eine Rekonstruktion der Entstehung von Jugend. Alle Zugänge sind miteinander vernetzt. Der Reiter zeigt den gewählten Zugang an. Durch Anklicken der Reiter wählt man den gewünschten Zugang.

Lesetext

Texte

Textgenese

In den blauen Boxen findet man kurzgefasste Hilfen, weitere Fragen werden im Folgenden erläutert.

Lesetext

Der Zugang Lesetext ermöglicht die Lektüre des Buchtextes von Jugend, gegliedert in Sequenzen, die für diese Ausgabe nummeriert wurden. Über die linke Schaltfläche ist es möglich, zwischen vier verschiedenen Ausgaben zu wechseln:

Wolfgang Koeppen: Jugend. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1976. [Erstausgabe]

Wolfgang Koeppen: Jugend. In: Ders.: Gesammelte Werke, Bd. 3, hg. v. Marcel Reich-Ranicki in Zusammenarbeit mit Dagmar von Briel und Hans-Ulrich Treichel. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1986. [Gesammelte Werke]

Wolfgang Koeppen: Jugend. Lizenzausgabe. Berlin (DDR): Volk und Welt 1978. [Lizenzausgabe]

Wolfgang Koeppen: Jugend. In: Wolfgang Koeppen: Werke in 16 Bänden, hg. v. Hans-Ulrich Treichel, Bd. 7, hg. v. Eckhard Schumacher. Berlin: Suhrkamp 2016. [Werke]

Textstellen, an denen die Ausgaben voneinander abweichen, sind blau hervorgehoben. Durch Anklicken dieser Hervorhebungen können die Differenzen eingeblendet werden.

Auf der linken Seite sind die Seitenzahlen der gewählten Ausgabe angegeben. Auf der rechten Seite finden sich jeweils unter der Angabe der Sequenz Links zu den Zugängen „Texte“ (hier: Text der Erstausgabe) oder „Textgenese“, die zu den entsprechenden Einträgen zu der jeweiligen Sequenz führen. Außerdem besteht die Möglichkeit, für jede Sequenz Registereinträge einzublenden, die in der Ansicht „Texte“ integriert sind (zur Funktion und zum Aufbau des Registers vgl. die Informationen unter „Texte“).

Texte

Über diesen Zugang lassen sich alle Textträger aus dem Jugend-Konvolut einsehen und durchsuchen.

Systematik / Abkürzungen:

Die Digitalisate der Textträger aus dem Nachlass sind gemäß der Systematik des Wolfgang-Koeppen-Archivs erfasst: Manuskript-Identifikationsnummer (MID) - Mappe (M) - Blatt, z.B. MID355-M005-003. Diese Ordnung, insbesondere die Zusammenstellung in den Archivmappen, geht vermutlich nicht auf den Autor zurück, sondern ist von den ersten Verwaltern des Nachlasses vorgenommen worden. Neben diesen von dritten angelegten Archivmappen befinden sich im Konvolut aber auch einige autoreigene, von Koeppens Hand beschriftete Mappen. In diesem Fall sprechen wir von Autormappen. Das Rundfunkmanuskript aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks (Abk. BR) sowie die Satzvorlage aus dem Siegfried Unseld Archiv Marbach (Abk. SUA) folgen in ihrer Benennung der jeweiligen Archivsystematik. Vom Rundfunkmanuskript aus dem Süddeutschen Rundfunk (Abk. SDR) verfügen wir nicht über das Original, sondern nur über im Nachlass vorhandene Kopien, die also wiederum nach der Archivsystematik des WKA benannt sind. Digitalisate der Publikationen in Zeitschriften, die zur Textgenese von Jugend gehören und vor der Buchpublikation erfolgt sind, sowie die Rundfunkmanuskripte für die Sendungen im SDR (1969) und im BR (1976) sind mit dem Titel der jeweiligen Veröffentlichung bzw. Radiosendung bezeichnet.

Suche:

Das Suchfeld unter Alle Texte ermöglicht die Recherche in allen Texten der Digitalisate sowie in allen Metadaten. Die Suche kann durch eine „Erweiterte Suche“ spezifiziert werden.

Differenziert wird in der Erweiterten Suche unter „Allgemein“ bei der freien Suche in der Edition zwischen „Alle Felder“ (Texte der Digitalisate und Metadaten) sowie „Volltext“ (Suche ausschließlich in den Texten der Digitalisate).

Außerdem kann man alle Parameter gesondert durchsuchen, die für die Textträger erfasst worden sind. Durch die Gliederung in die Kategorien „Allgemein“, „Archivsystematik“, „Register“, „Datierung“, „Papier“, „Layout“ und „Paginierung“, für die zum Teil Dropdown-Menüs angeboten werden, lassen sich komplexe Suchabfragen realisieren.

Bereits die Startseite des Zugangs „Texte“ bietet ausgewählte Suchfunktionen an: So können die Textträger nach ihrer „Sequenzzuordnung“, der Zugehörigkeit zu einer „Publikation“ und ihrer Zuordnung zu einer „Archivmappe“ gefiltert werden.

Unter Sequenzzuordnung ist die Verknüpfung eines Textträgers mit einer der 53 Buchsequenzen zu verstehen. Die Dokumente, die keiner der 53 Sequenzen direkt zugeordnet werden können, werden gesondert gruppiert. Dabei wird unterschieden zwischen „Fragmenten“ (über Jugend hinausgehende literarische bzw. narrative Entwürfe), „Notizen“ (u.a. poetologische Überlegungen, schematische Übersichten, Exzerpte, Umfangsberechnungen, Figurencharakteristiken) und Entwürfen zum vorangestellten „Motto“ sowie zum „Titelblatt“.

Unter Publikation werden alle Texte angeführt, die vor Erscheinen von Jugend publiziert worden sind und entsprechend Vorstufen zu Jugend enthalten. Neben Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften finden sich hier auch Typoskripte von Rundfunksendungen. Wählt man im Dropdown-Menü eine der Publikationen aus, werden nur die Dokumente angezeigt, die aus einer Rundfunkanstalt oder einer Zeitschriftenredaktion stammen.

Aufgenommen sind folgende Publikationen und Rundfunksendungen von Wolfgang Koeppen:

Als ich Gammler war, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 11.10.1969.

Als ich Gammler war, in: der literat. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Ausgabe 8 August 1970, 148-150 (Koeppen ändert hier handschriftlich den Titel in „In meiner Stadt war ich allein“).

In meiner Stadt war ich allein, in: Ders.: Romanisches Café. Erzählende Prosa, Frankfurt/Main 1972, 86-98.

Anamnese, in: Merkur 23/3 (1968), 252-259.

Jugend. Eine Erinnerung, in: Merkur 24/1 (1971), 43-58. (Hinweis zum Titel: Der Untertitel „Eine Erinnerung“ stammt nicht von Koeppen und ist von ihm kritisiert worden. Um Verwechslungen mit dem Buch Jugend zu vermeiden, wird der Untertitel in dieser Edition dennoch verwendet).

Vom Tisch, in: Text+Kritik 43/1972, 1-13.

Von Anbeginn verurteilt, in: Merkur 23/9 (1969), 835-845.

Jugend. Prosa,  Süddeutscher Rundfunk, Stuttgart 14.11.1969.

Eine Jugend, Regie: Dr. Reinhard Wittmann, Abspieldauer (1): 28'30; Archivnummer BR: HF/27108 – Abspieldauer (2): 27'15; Archivnummer BR: HF/27108 (1976), Bayerischer Rundfunk 1976.

Unter Archivmappe findet sich das gesamte Material, sortiert gemäß der Anordnung in den jeweiligen Mappen (Archivmappen, Autormappen sowie Mappen für die gesonderten Publikationen).

Die Trefferliste zu einer Suche zeigt die Dokumente mit einer Kurzfassung der erfassten Metadaten. Per Klick auf die Signatur des Digitalisats oder auf das Digitalisat selbst gelangt man zur Detailansicht des Textträgers. Für die Textträger, die der Genese einer der Sequenzen zugeordnet werden konnten, sind Transkriptionen angefertigt worden. Für eine Auswahl der „Notizen“ und „Fragmente“ sind ebenfalls Transkriptionen verfügbar.

Über die Pfeile oben rechts kann der im Textzusammenhang vorangehende oder nachfolgende Textträger eingeblendet werden.

Informationen zum Textträger:

Über die rechtsbündige Symbolleiste lassen sich alle Informationen zum Textträger und seiner Transkription abrufen. Angaben zu „Kontext“, „Metadaten“ und „Register“ liegen für alle Textträger der Edition vor. „Textzustände“ und „Modifikationen“ werden nur für Textträger spezifiziert, wenn auch eine Transkription vorliegt. Das ist bei allen Textträgern der Fall, die der Genese einer der Sequenzen zugeordnet werden konnten ("Sequenzzuordnung") sowie bei einer Auswahl von Notizen ("ausgewählte Notiz"), die zeigen, wie Wolfgang Koeppen konzeptionell gearbeitet hat.

Textzustände: Hier kann man wählen, ob man sich die maschinenschriftliche Grundschicht (Maschinenschrift inklusive maschinenschriftlicher Sofortkorrekturen) oder den Endzustand des Textes unter Berücksichtigung aller nachträglichen hand- und maschinenschriftlichen Änderungen ansehen möchte. Optional können Tilgungen und Zeilenumbrüche ein- bzw. ausgeblendet werden. Hinzugefügte Zeichen und Worte auf dem Dokument, die keiner Zeile genau zugeordnet werden konnten, stehen in der Transkription am unteren Rand. Ob Koeppen selbst oder eine Schreibkraft die Schreibmaschinen bedient hat, ließ sich nur vereinzelt anhand von Indizien vermuten. Die HerausgeberInnen haben sich deshalb dafür entschieden, bei der Erfassung hier keine Differenzierung vorzunehmen.

Modifikationen: Alle Änderungen am Text, die ausgezeichnet worden sind, findet man hier in Form einer Liste. Die Textstellen, an denen Modifikationen vorgenommen worden sind, werden in der Transkription durch eine blaue Unterstreichung kenntlich gemacht und können von der Liste aus im Text identifiziert werden, indem man mit der Maus über die jeweilige Modifikation in der Liste fährt.

Kontext: Hier findet man Informationen zur Positionierung des jeweiligen Dokuments in der Archivmappe und ggf. zur Autormappe sowie zu eventuellen Dubletten (Durchschläge des Typoskripts oder Kopien von Seiten aus Publikationen bzw. aus Rundfunkmanuskripten). Ein Textzusammenhang besteht dann, wenn der Text sich über mehrere Seiten erstreckt, d.h. wenn er über das Blatt hinaus reicht und an ein vorangehendes oder folgendes Blatt anschließt. Ein textgenetischer Vorgänger/Nachfolger ist nur dann angegebenen, wenn eine unmittelbare Vorstufe bzw. eine folgende Textstufe ermittelt werden konnte. Alle weiteren textgenetischen Zusammenhänge sind über den Zugang „Textgenese“ zu finden.

Metadaten: Hier findet man die Verortung des Textträgers in der Archivsystematik sowie ausführliche Informationen zur Datierung (sofern vorhanden), zur Papierbeschaffenheit, zum Layout und zur Paginierung. Bei den Metadaten wurden einige Standardisierungen vorgenommen, so wurde etwa für Papiere eines Wasserzeichens eine einheitliche Papierfarbe festgelegt, d.h. etwaige nachträgliche Abweichungen durch Vergilbung, Alterung oder Digitalisierung werden nicht berücksichtigt (Beispiel: Das Wasserzeichen Constanter hat immer die Papierfarbe cremeweiß).

Register: Hier sind alle Verschlagwortungen erfasst, die sich auf den Text des Dokuments beziehen. Bei der Erstellung des Registers sind Standardisierungen im Sinne eines einheitlichen Schlagwort-Katalogs vorgenommen worden. Jeder Erstausgaben-Sequenz wurden bestimmte Schlagworte zuordnet, nach denen sich auch die Auszeichnung der entsprechenden Dokumente richtet; nur bei den „Fragmenten“ und „Notizen“ finden sich gelegentlich Abweichungen vom Schlagwort-Katalog.

Zur inhaltlichen Erschließung sind Motive/Themen festgelegt worden, die nicht immer auch im Wortlaut auf dem Typoskript zu finden sind. Die Textträger werden demnach nicht nur erschlossen, sondern auch interpretiert (z.B. Motiv/Thema: „Familiengeschichte“). Die Begriffe stehen alle im Singular, der Plural ist mit eingeschlossen, wie z.B. bei „Schlange“ oder „Fischweib“; Varianten stehen nachgestellt in Klammern. Schlagworte aus anderen Kategorien können in Einzelfällen auch hier auftauchen, wenn z.B. das „Fräulein von Lössin“ in drei Notizen nicht nur Figur ist, sondern diese konzipiert oder theoretisch reflektiert wird. Mehrere Begriffe zu einem Themen- bzw. Motivkomplex werden mit Schrägstrichen nebeneinander gestellt: „Nähen/Nähmaschine/Näherin“.

Unter Reale Orte sind wörtlich im Text vorkommende und tatsächlich existierende Orte verzeichnet. Sofern diese über ihre Beschreibungen bzw. den Kontext genauer zu bestimmen waren, wurde in Klammern eine Spezifizierung angegeben, z.B. „Hafen (Greifswald)“. Dieser Schritt soll auch Verwechslungen mit gleichnamigen Orten verhindern, etwa „Göhren (Rügen)“. Ebenfalls in Klammern nachgestellt sind mögliche Schreibvarianten oder historische Abweichungen des Ortsnamens, z.B. „Fuji (auch: Fudschijama/Fujiyama)“ bzw. „Langefuhrstraße (heute: Friedrich-Loeffler-Straße, Greifswald)“.

Schauplätze sind Orte, die nicht nur erwähnt werden, sondern an denen sich die Handlung des Textes abspielt. Spezifizierungen oder Varianten stehen auch hier in Klammern, z.B. „Exerzierplatz (Kasernenhof)“, sie werden jedoch nur vorgenommen, wenn sie explizit erwähnt werden oder notwendig sind, um gleichnamige Schauplätze unterscheiden zu können. So gibt es Einträge für das „Stadttheater“ der pommerschen Kleinstadt (für die Greifswald das Vorbild ist, die jedoch nur einmal namentlich genannt wird) sowie für „Theater (Grünberg)“ und „Theater (Putbus)“.

Figuren bezeichnen handelnde (und nicht nur erwähnte) Figuren im Text. Diese Einträge beinhalten, sofern gegeben, Nach- und Vorname der Figur mit in Klammern nachgestellter Namensvariation und/oder Funktion, z.B. „Frau mit goldenem Ring (auch: bunter Vogel/Sängerin)“ oder, als schwieriger Fall, „Bismarck (Hund)“ und „Bismarck (auch: Eiserner Kanzler)“. Im Unterschied zu den „Eigennamen“ wurden die Figuren nur nach dem Wortlaut der Texte benannt.

Eigennamen verzeichnen in den Texten vorkommende Namen, die sowohl historische Personen wie auch fiktionale Figuren umfassen: So tauchen hier sowohl „Pryl (Professor)“ wie auch „Novalis (Friedrich von Hardenberg)“ auf. Regenten (KönigInnen, KaiserInnen) wurden folgendermaßen formatiert: „Nikolaj II., Zar von Russland (auch: Nikolaus II.)“.

Textgenese

Der Zugang „Textgenese“ rekonstruiert die Entstehung der 53 Sequenzen von Jugend, die im Buch jeweils durch Leerzeilen voneinander separiert sind. Diese Sequenzstruktur ist das Ordnungsprinzip der textgenetischen Edition, für die die Sequenzen mit einer numerischen Zählung (1-53) versehen wurden.

Aufgrund fehlender Datierungen und der Komplexität des Entstehungsprozesses ist es den HerausgeberInnen nicht möglich gewesen, für jede Sequenz eine gesicherte und überprüfbare chronologische Abfolge der Typoskripte festzulegen. Gleichwohl sind für jede Sequenz genetische Pfade rekonstruiert worden, die sich aus Gruppen von Dokumenten zusammensetzen. Eine „Gruppe“ besteht aus einer beliebigen Anzahl von Dokumenten, die aufgrund ausgewiesener textueller und/oder metatextueller Eigenschaften als zusammengehörig betrachtet werden können, da sie vermutlich im selben Zeitraum bzw. in derselben Arbeitsphase entstanden sind.

Die zugrunde liegenden textgenetischen Hypothesen, aus denen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und die Abfolge der Gruppen resultieren, werden in der Überschrift der Gruppe angedeutet und in kurzen Gruppenbeschreibungen von den HerausgeberInnen erläutert. Per Klick auf die Textträger innerhalb der Gruppen wechselt man in den Zugang „Texte“ und kann die Textträger im Detail ansehen. So lassen sich die textgenetischen Hypothesen der HerausgeberInnen verifizieren.

Die Gruppen stehen untereinander in einem textgenetischen Verhältnis (vorangehende und nachfolgende Gruppe), das als genetischer Pfad in der Vertikale visualisiert wird. Aufgrund der Komplexität der Genese ergeben sich bisweilen mehrere Pfade zu einer Sequenz, die parallel (nicht chronologisch) angezeigt werden. Der jeweils längste genetische Pfad steht links. Etwaige genetische Bifurkationen bzw. Fusionierungen zwischen den Pfaden werden nicht visualisiert, sondern in den Gruppenbeschreibungen erläutert.

Innerhalb der Gruppen sind Vorgänger/Nachfolger-Relationen ebenso wie Dublettenverhältnisse und Textzusammenhänge (ein Text, der sich über mehrere Seiten erstreckt) ausgezeichnet und durch Symbole kenntlich gemacht.

Die Genese jeder der 53 Sequenzen wird abgeschlossen mit dem entsprechenden Ausschnitt aus der Satzvorlage aus dem SUA Marbach sowie der jeweiligen Sequenz im Buch Jugend.

Technische Realisierung

Die Eingabe der Daten erfolgte mit den beiden Werkzeugen FuD (Forschungsnetzwerk und Datenbanksystem) und Transcribo. Alle dort eingegebenen Informationen wurden in einer zentralen MySQL Datenbank gespeichert. Diese wiederum wird in regelmäßigen Abständen mit einer NoSQL Datenbank auf Basis von Elasticsearch synchronisiert. Elasticsearch bietet den Vorteil, die komplette Datenbasis mit sehr hoher Geschwindigkeit ausliefern zu können und verfügt darüber hinaus über eine angegliederte Suchmaschine auf Basis von Lucene, eine der führenden Open Source Such-Lösungen. Das Frontend selbst ist auf Basis von CakePHP umgesetzt und läuft auf einem Apache Webserver. Von diesem System werden Nutzer-Anfragen entgegen genommen, der Datenbank weitergegeben und anschließend die Ergebnisse wieder dem Benutzer präsentiert. Die Anzeige erfolgt letztendlich mit Hilfe eine Responsive Designs, das sich flexibel an verschiedene Anzeigegeräte anpassen kann.

Weitere Informationen zur Edition

Zwei Mappen aus dem Jugend-Konvolut wurden nicht ediert, da aus Sicht der HerausgeberInnen kein Mehrwert für die Edition zu erwarten war. Das betrifft zum einen die Mappe MID355-19776, die fünf jeweils mit einer Tackerklammer zusammengehaltene Kopien eines bereits in die Edition aufgenommenen Typoskripts für eine Rundfunksendung des „Süddeutschen Rundfunks“ beinhaltete, zum anderen die Mappe MID355-19777 mit einer einfachen Fotokopie der Erstausgabe von Jugend.

Danksagung

Der Dank der HerausgeberInnen gilt der Förderung durch die DFG. Weitere für die Realisierung des Projekts notwendige Mittel wurden dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie dankenswerterweise durch die Philosophische Fakultät der Universität Greifswald  zur Verfügung gestellt.

Die HerausgeberInnen danken allen, die an der Konzeption und Realisierung der Edition beteiligt waren oder auf andere Weise beigetragen haben. Als Kooperationspartner ist hier zunächst das „Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften“ an der Universität Trier zu nennen. Zu danken ist insbesondere dem Projektmitarbeiter Patrick Heck, der die Weboberfläche der Edition programmiert hat, aber auch Dr. Thomas Burch, Dr. Vera Hildenbrandt, Dr. Stefan Büdenbender, Frank Queens und Radoslav Petkov haben verschiedentlich zum Gelingen des Projektes beigetragen. Das Layout und die Funktionalitäten der Weboberfläche der vorliegenden Edition sind zeitgleich mit der historisch-kritischen Schnitzler-Edition (Werke 1905–1931) entwickelt worden, die ebenfalls in Kooperation mit dem Trierer „Kompetenzzentrum“ entsteht. Für beide Editionen sind dabei vom „Kompetenzzentrum“ auch Ansätze aufgenommen, modifiziert und weiterentwickelt worden, die zunächst für die jeweils andere Edition konzipiert worden sind. Die Schnitzler-Edition soll im Mai 2017 freigeschaltet werden: „www.arthur-schnitzler.de“.

Für die Verknüpfung von philologischer Arbeit und computerphilologischer Umsetzung danken die HerausgeberInnen herzlich Michel Kenzler und Claus-Michael Schlesinger. Ebenso ist Adrian Breda und Cathrin Scheuring für ihre Mitarbeit bei der Transkribierung sowie den MitarbeiterInnen im Wolfgang-Koeppen-Archiv, insbesondere Florian Meusel, Philip Koch, Stefanie Skock und Andrea Werner, zu danken. Zudem danken die HerausgeberInnen Bruno Blüggel von der Universitätsbibliothek Greifswald; Prof. Dr. Reinhard Zölitz und Petra Wiese am Lehrstuhl für Kartographie und Geographische Informationssysteme am Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald;  Dr. Jan Bürger,  Dr. Roland Kamzelak und Dr. Anna Kinder vom Deutschen Literaturarchiv Marbach / Siegfried Unseld Archiv; Dr. h.c. Raimund Fellinger und Dr. Doris Plöschberger vom Suhrkamp Verlag.

Für die Genehmigung zur Edition der unveröffentlichten Texte aus dem Nachlass von Wolfgang Koeppen danken die HerausgeberInnen der Peter Suhrkamp Stiftung. Für die Erteilung der Genehmigung zur Integration der Satzvorlage gilt der Dank dem Deutschen Literaturarchiv; für das Rundfunkmanuskript dem Archiv des Bayerischen Rundfunks. Ferner danken wir der Redaktion des Merkur sowie Text+Kritik für die Möglichkeit, auch diese Publikationen in die textgenetische Edition aufnehmen zu können.

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